CHRISTOPH BREUER
The Caliburn Paintings
06 February – 29 March 2014


The Caliburn Paintings

Christoph Breuer, Caliburn II (japanisch), Öl auf Leinwand, 2013, 70 x 90 cm


Christoph Breuer Caliburn

von Thomas W. Kuhn, Berlin 2014

Mehr als eine Legende berichtet von Schwertern, die von überirdischen Mächten in Steine oder Bäume versenkt wurden, um von einem Auserwählten heraus gezogen zu werden. Das bekannteste dieser Schwerter wurde im Rahmen der Artussage bekannt als Excalibur. Der britische Historiker Geoffrey von Monmouth nannte es im 12. Jahrhundert „Caliburn“, nur einer von vielen Namen, die in der Literatur für das wundertätige Schwert benutzt wurden.
Die neuen Bilder von Christoph Breuer (*1970 in Aachen) widmen sich aber nicht den Erlebnissen der Sagengestalt Artus. Sie zeigen vielmehr unterschiedliche Messer, die innerhalb zeitgenössischer Interieurs in hölzernen Tischplatten stecken. So alltäglich der Ort, so wenig alltäglich ist die Situation. Solche Messer haben ihren Platz in einer Schublade, in einem Messerblock oder auf der Arbeitsfläche einer Küche. Steckt es in einem Tisch, wirkt das Messer wie eine Bedrohung.
Oder handelt es sich – etwa – legt man die Artussage zu Grunde – um eine Herausforderung, die eine Erwählte oder einen Erwählten sucht? Die Antwort bleibt offen und die Situation rätselhaft, wie die Stimmung in so vielen Bildern Christoph Breuers. Wo die präzise Visualisierung des in Berlin lebenden Künstlers an die exakte Naturbeobachtung der frühen Renaissance erinnert, gemahnt die mysteriöse Stimmung an diejenige Malerei, die der Kunsthistoriker Franz Roh als „Magischen Realismus“ bezeichnete.
In den Bildern Christoph Breuers treten die Messer in einen spezifischen Dialog mit den Materialien in ihrer Umgebung. Holz und Metall erscheinen wie Antipoden, versinnbildlichen als Gegensätze zwischen dem Organischen und dem Anorganischen auch den Kontrast zwischen Leben und Tod.
Hier und da weiten andere Dinge das Spektrum der Assoziationen aus. Der Blick durch ein Fenster nach Außen, fragt nach heimlichen, unsichtbaren Zeugen – vielleicht im Haus vis à vis. Zugleich verstärkt dieses entfernt sichtbare Haus das heimelige Vorstadtambiente des Sujets. In einem anderen Bild mag ein japanisch anmutendes Gartenmotiv die rituelle Dimension im Umgang mit Messern und Schwertern beschwören. Felsen und Astwerk werden Teil einer exotischen Kulisse zur Inszenierung des Bildgegenstands.
Aber auch der abwesende Mensch erhält in dieser Bildserie eine merkwürdige Präsenz. Begreift man die in den Tischen steckenden Messer als Teil einer vorhergehenden Handlung und den Akt selbst als eine Geste, so wird die Frage aufgeworfen: Wer hat das Messer so kraftvoll in den Tisch gerammt? Und wem gilt dieser Akt symbolischer Gewalt? Wer stört den Frieden des behaglichen Heims und was hat diesen potentiellen Konflikt ausgelöst? Keine dieser Fragen wird beantwortet, sie bleiben im Raum stehen. Sie werden zur beunruhigenden Resonanz der an sich stillen, fast meditativ wirkenden Bilder. Unterschwellig und durch die Malerei kompositorisch subtil angedeutet stellt sich die Vermutung ein: diesseits der Tische kommen wir selbst als Bildbetrachter zu sitzen (und zu stehen). Und nachdem wir uns auf ein solches Verhältnis zu den Bildern Christoph Breuers eingelassen haben und gewissermaßen in seine Bildwelt integriert sind, dürfen wir der Frage nachgehen, in welche der möglichen oben genannten Rollen wir selbst zu schlüpfen bereit sind...


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