FRANZ BAUMGARTNER

1962 geboren in Kleve
1985 - 1989 Kunststudium an der Fachhochschule Köln bei Prof. Karl Marx
1989 - 1993 Kunststudium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Dieter Krieg
 

Einzelausstellungen (Auswahl)

1994 "Frisches Gras", Orangerie Köln
1995 "hinter Sindjar", Galerie Barz, Hannover
"von hier bis gestern", Galerie Six Friedrich, München
1997 "Lattuga", Galerie Brigitte Ihsen, Köln
Galerie Hof & Huyser, Amsterdam
1999 Galerie Jasmin, Düsseldorf
2000 Galerie Renate Schröder, Köln
"Finderlohn", Gemeinschaftsarbeit mit Sonja Knopp
"Finderlohn", Galerie Renate Schröder, Köln, Gemeinschaftsarbeiten mit Sonia Knopp, HWL – Galerie, Düsseldorf
"als in der Pfalz", Ausstellung zum Abschluss des Stipendiums, Herrenhaus Edenkoben
"Landschaft malen", Lippische Gesellschaft für Kunst e.V., Kunstverein Detmold
"che im Garten", Galerie Hübner, Berlin
2001 Galerie Hof & Huyser, Amsterdam
Galerie Hübner, Frankfurt/M.
2002 "van wegen", Kunstverein Siegen im Wechselausstellungsbereich des Museums für Gegenwartskunst in Siegen
Felix Ringel Galerie, Düsseldorf
Galerie Six Friedrich/Lisa Ungar, München
2003 "Häuser ohne Gardinen",Galerie Hof & Huyser, Amsterdam
2004 "Kartause", Felix Ringel Galerie, Düsseldorf
2005 Nachtbilder, Galerie Hof & Huyser,Amsterdam
2006 Felix Ringel Galerie, Düsseldorf
Galerie Hübner, Frankfurt
2007 Galerie Lukas Feichtner, Wien, Österreich
Galerie Hof & Huyser, Amsterdam
2008 "Rifugio", Galleria Astuni, Pietrasanta, Italien
"la familiarità dell`ignoto", Galleria VV8 artecontemporanea, Reggio Emilia, Italien
2009 Galerie Hübner, Frankfurt
"Spalten" Galerie Lukas Feichtner, Wien, Österreich
Omphalos arte contemporanea, Terlizzi, Italien
2010 "Herein" Felix Ringel Galerie, Düsseldorf
 

Gruppenausstellungen (Auswahl)

1994 Ausstellung der Preisträger des Deutschen Kunstpreises und
Große Kunstausstellung, Haus der Kunst, München
Papierarbeiten, Galerie Six Friedrich, München
1995 KölnKunst, Joseph-Haubrich-Kunsthalle, Köln
Große Kunstausstellung, Haus der Kunst, München
Raum für Acht, Gothaer Kunstforum, Köln
1996 Vier deutsche Künstler in der Ausstellungshalle
der Universität Alicante, Spanien
"von Weitem", Museum Schloss Homburg, Nümbrecht
Stipendiaten der Villa Romana, Museum Folkwang, Essen
1997 Abschlussausstellung der Villa-Romana-Stipendiaten im
Salon der Villa
1998 "ohne Titel", Mittelrhein-Museum, Koblenz
Arbeiten auf Papier, Moerser Kunstpreis 1998
2000 "Schnitt", Junge Kunst Nordrhein-Westfalen, Kunstverein Düsseldorf
Premio Michetti 2000, Europäische Figurative Malerei, Museo Michetti
Francavilla al mare, Italien Kunstpreis Euregio, Artoll Labor, Bedburg – Hau
2002 "Stand der Dinge", Dieter Krieg und 9 ehemalige Meisterschüler, Galerie Schrade im Schloß Mochenthal, Ehingen
Landschaftsmalerei, Kulturbahnhof Eller, Düsseldorf
2003 Positionen aktueller Malerei, Galerie Nisters, Speyer
2004 Zehn Jahre Artoll‐Labor, Bedburg – Hau
2005 Die Sammlung Flash-Art, Trevi Flash Art Museum
"Daysleepers", im Tresor Kunstforum, Wien
Biennale Prag 2
Jubiläumsausstellung 100 Jahre Kunstpreis der Villa Romana
Fuhrwerkswaage Köln
Lukas Feichtner Galerie, Wien
"Tendenzen 2005", Mathildenhöhe, Darmstadt
2006 Landschaftsmalerei, Galerie im Woferlhof, Bad Kötzting
Städtische Galerie Böblingen
 

Gedanken zu Franz Baumgartners Malerei

Der Überzeugung und dem Drang folgend, dass der wahre Künstler der Welt helfe, indem er mystische Wahrheiten aufzeigt und gleichzeitig aber auch Fragen an die Menschheit richtet, beschäftigt sich Franz Baumgartners Malerei mit Landschaften, die erst rätselhaft und ungeklärt wirken und auch in der weiteren Betrachtung mehr Fragen als Antworten liefern.

Die großformatigen Flächen in der Komposition, ob als Bildfordergrund oder -hintergrund gedacht, sind mit der für seine Arbeiten eigentümlich, spreckig erscheinenden Oberfläche gemalt. Die Einschätzung der dargestellten Raumtiefe und das Wechselspiel von Vordergrund und Hindergrund gerät zu einem spannungsreichen Prozess. Diese Verklappung der Bildelemente, wird auch durch stoffliche Gleichbehandlung der gegensätzlichsten Sujets erzielt: der Himmel erscheint zum Beispiel fester und dichter, als der dargestellte Asphalt.

"Entscheidend", bemerkte schon Max Beckmann, "ist die gleichmäßige Anwendung eines Formprinzips, das bei Veränderung des Objekts der Imagination vorgenommen wird. Das eine ist sicher, wir brauchen die Übersetzung des dreifachen Raumes der Welt der Objekte in den zweifachen der Bildfläche. Höhe, Breite und Tiefe in die zweidimensionale Fläche zu verwandeln, ist mir stärkstes Zaubererlebnis, aus dem mir eine Ahnung jener vierten Dimension entsteht, die ich mit meiner ganzen Seele suche."

Franz Baumgartners Arbeiten aktivieren den Bereich zwischen der zweiten und dritten Dimension in einer sehr eigenen narrativ-szenischen Form: das Sujet wirkt, wie eingefroren, gleichsam mit einer gedrückten Stoptaste angehalten. Bei ungeklärter Vorgeschichte und einer vielleicht obskuren Weiterentwicklung der Situation. Unterstützt wird dieser Eindruck durch die malerische Formulierung der dargestellten Objekte oder Topographien: sie wirken oft kulissenartig und in der dreidimensionalen Beziehung von Bildvordergrund zum Hintergrund erscheinen zum Beispiel Bäume und Sträucher oft fast zweidimensional. Der Betrachter befindet sich in der Rolle des rastlos nach Untiefen und thematischen Extravaganzen Suchenden.

Ohne pathetische Verklärtheit wird Natur dargestellt, obwohl sich Franz Baumgartner durchaus auch kompositorischer Stilmittel der Romantik bedient: so ist das Kräftedreieck, welches durch die eingesetzten Bilddiagonalen entsteht, verantwortlich für die Spannungsbögen in vielen seiner Arbeiten. Kondensstreifen am Himmel, Spuren im Sand, parallel laufende Baumreihen, Bordsteinkanten und ähnliches beschreibt oft die längste Seite des Dreiecks, der Betrachter gerät in den Bann und fühlt sich einem gewissen Drift oder Sog in das Dargestellte ausgesetzt, verursacht durch die perspektivische Komposition.

Die Chromatik der von Baumgartner verwendeten Farben, das heißt in der eigentlichen Bedeutung des Wortes, Tonfolge und Klangfarbe seiner Palette ist tarnfarben-ähnlich: eindrucksvoll ruhig. Zuweilen eine fast bleierne Stimmung, erdig gedämpft – Auch die Tonspur wurde angehalten, um die "eingefrorene Stoptaste" im Lauf der Dinge noch einmal ins Spiel zu bringen.

Die Reduktion von Farbextremen, die Abwesenheit miteinander konkurrierender Farbblöcke, fördert ein kontemplatives Element. Jenseits der unkonkret dargestellten Gebilde, beinhalten die Baumgartner Landschaften potentiell alle Landschaften; denn eine Wiederholung und Gleichförmigkeit konnotiert hier nicht eine Fixierung auf bestimmte Motive, sondern im Gegenteil, eher eine Loslösung vom Motiv.

Die außergewöhnliche Wirkung seiner Arbeiten, das Leuchten, erreicht Franz Baumgartner dadurch, dass er eine gewisse Weichheit, das heißt, wenig offensichtliche Reize in seine Arbeit bringt. Wie das Fehlen von starken Effekten die Sinne schärft, so erschließt sich die Tiefe und Besonderheit des zurückgenommenen Bildes erst Schritt für Schritt in seiner Betrachtung. Durch diesen Prozess erfährt der Betrachter selbst eine Wandlung, er vergisst seine weltliche Umgebung und das eigentliche Ich wird sensibilisiert.

Die Landschaft ist wohl das ewige Motiv der Malerei und auch in der Fotographie – der assoziative Freiraum aber, den die Vollblutmalerei gegenüber der Fotographie produziert oder offen hält, kommt ihrer Nachhaltigkeit und Dauergültigkeit zu Gute. Seine Landschaftsmalerei folgt eigenen Gesetzen und zuweilen auch verschrobenen ästhetischen Erwägungen, ist aber thematisch so dicht mit dem Anliegen, seine Idee der Natur zu zeigen verknüpft, dass jegliche Berechnung der Bildkomposition von der eingefangenen Stimmung überstrahlt wird.

Franz Baumgartners Fingerzeig auf die mystischen Wahrheiten der Welt, die uns umgeben, kommt an – jenseits erklärbarer Bildstrategien.

Felix Ringel