ANDREAS GLOËL
Foreign Affairs
20 March – 25 April 2015

Opening Friday, March 20, 2015
7 – 9 p.m.


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Untitled (No. 2), aus der Serie meditations, 2014, Keramik, glasiert, zweiteilig,
H.26 x B.21 x T.16cm


Die Felix Ringel Galerie freut sich den Meisterschüler von Rosemarie Trockel in einer vier Werkgruppen umfassenden Schau zu zeigen. „meditations“ sind 2014 entstandene Keramikskulpturen. „plan“ sind ebenfalls 2014 entstandene Skulpturen aus Leder und „random sculptures“ bezeichnet eine Werkgruppe von verfremdeten Gegenständen, die Andreas Gloël von 2009-2012 herstellte. Außerdem werden auch Aquarelle von bestechend einfachen Formen aus der Serie „vases“ von 2013 zu sehen sein.


Abstraktion ist möglich
von Kito Nedo

Die Gebrauchsgegenstände, die am Beginn von Andreas Gloëls künstlerischen Erwägungen stehen, sind dem Betrachter mehr oder weniger vertraut: Schuhe, Akustik-Gitarren, Werkzeugstiele aus Holz. Der in Düsseldorf lebende Künstler, geboren 1980 in Finnland, nimmt sie als Ausgangspunkt für eine abstrahierende Praxis, deren Ergebnisse einen beträchtlichen Teil ihres Reizes nicht aus der Verleugnung ihres Ursprungs ziehen, sondern aus eben jener Verbindung zum vorhergehenden Gebrauchs-Objekt. Gloël studiert die Dinge in einem ersten Schritt so intensiv, bis er sie förmlich durchdrungen hat. Anschliessend baut er sie in einem Akt der künstlerischen Aneignung und Verfremdung vollkommen um. Die Botschaft lautet: Abstraktion ist möglich, ist vielleicht sogar dringend notwendig. Wir sind umgeben von profanen Dingen in denen immer noch etwas ganz anderes steckt.

Für seine runden „Schuhobjekte“ (Ohne Titel, 2009-2013) studierte Gloël die handwerkliche Machart rahmengenähten Schuhwerks, bevor er sich daran machte, Objekte zu produzieren, die im Prinzip einem Schuh glichen „der nur aus einer Kappe besteht, kein Anfang und kein Ende hat“ Herausgekommen sind kreisrunde, unglaublich haptische Körper, die sowohl auf den Schuh als solchen verweisen, als auch auf sich selbst. „Objekte, die keine Funktion mehr haben, die aber in sich schön sind.“ Durch Verschiebungen wie diese wird eine sanfte Verunsicherung in die alltägliche Materialwelt hineingetragen, die auf routinierten Gebrauch der Dinge gründet. Ähnlich angelegt sind seine Reproduktionen von Werkzeugstielen, die Gloël als Abgüsse in rohem Porzellan ausführt oder eine Gitarrenskulptur, bei welcher der Künstler den Hals, die Saiten und die akustische Öffnung verschwinden liess, während er die schmale Seite des Korpus um das Fünfache verbreiterte.

Dem britische Soziologen Richard Sennett zufolge sind die meisten Menschen glücklicher, wenn sie Qualitätsarbeit leisten. Das leuchtet ein, klingt beruhigend und da schwingt auch ein sympathischer Grundkonservatismus mit. Andreas Gloël sagt, dass es für ihn keine große Rolle spielt, ob er Dinge selber hergestellt hat oder nicht. Wichtig sei vielmehr, dass sich Eigenes und Fremdes im Atelier mischen könne. „Die Arbeiten, die mir am besten gefallen, sind diejenigen, bei denen ich das Gefühl habe, dass ich sie nicht selber gemacht habe.“ Autorenschaft kann er paradoxerweise dann am meisten geniessen, wenn ihm seine Kunst fremd vorkommt, wenn er nicht mehr das Gefühl hat, der tatsächliche Autor seiner Werke zu sein.


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