ISABELLA TIL
res narrandi

12 - 27 February 2016


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oben: Sehen, 1986,Fotogramm, Barytpapier, 60 x 42 cm
unten: Floppy (3,5“ Diskette), Ausschnitt, 2015, Kohle, Farbstift und Bleistift auf Papier, 42 x 29,7 cm

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Nebenwege I-III, 1984, Collagen aus Fotogrammen, Ilfospeed glänzend,
je 29 x 23,5 cm

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Riss, Nacht, Licht, 3 Fotogramme und Ruhrtalbrücke, Fotografie, alle 1984, Ilfospeed glänzend, je 29 x 23,5 cm

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Area I and II, 2016, zwei Aquarelle auf Schoellershammer, je 32 x 24 cm

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Dessau I, (Detail) 2016, Fotoprint, Acryl auf Naturpapier, Alu Dibond, 81 x 63,5 cm

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Installation aus 28 Zeichnungen, 2015, Kohle, Farbstift und Bleistift auf Hahnemühle 190g, je 29,7 x 42 cm
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Die Ausstellung zeigt zwei Positionen. Ein Teil umfasst Arbeiten, die auf bewußt-zeichnerischem Weg persönliche Gegenstände aus dem Umfeld der Künstlerin erkunden und so eine subjektive Enzyklopädie entwickeln, die persönliche Geschichten, aber auch Geschichten einer Generation erzählt. Die Auseinandersetzung folgt Gedanken über Herkunft und Weitergabe aus einem Buch Peter Sloterdijks (Die schrecklichen Kinder der Neuzeit, 2014) und Texten von Roland Bartes (Mythen des Alltags, 1957). Zitate aus beiden Büchern sind den fast fünfzig Zeichnungen in einem von Isabella Til gestalteten Katalog gegenübergestellt.

Der zweite Teil zeigt frühere freie Fotoarbeiten, die Relikte und Fundstücke aus dem Leben der Künstlerin sind, die von 1983-91 an der Folkwangschule in Essen Fotografie bei Prof. Inge Osswald (ehem. Assistentin von Otto Steinert), Grafik (Prof. Sabine Tschierschky) und Grafik Design (Prof. Vilim Vasata) studiert hat. Es sind einerseits Fotogramme, die sich den Möglichkeiten des Mediums bis zur Collage analytisch nähern. Zum anderen gehören auch analog auf Film belichtete und klassisch im Schwarz-Weiß-Labor vergrößerte Arbeiten dazu, die das Thema „sehen“ und Räumlichkeit mit reduziertem Farb-und Formkanon untersuchen.
Eine Weiterentwicklung dieser Thematik findet sich in den 2016 dazu entstandenen Vergrößerungen „Dessau I-III“, die an ausgewählten Stellen strukturierte Übermalungen aufweisen und in einer Serie von Aquarellen, die auf schwarze Farbe reduziert sind.

Isabella Til (*1964) ist mit zahlreichen internationalen Designpreisen ausgezeichnet und lebt in Düsseldorf.


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„Manche Gegenstände werden nur für einen Augenblick von der mythischen
Rede erbeutet und verschwinden dann, während andere an ihre Stelle treten...

Man kann sich sehr alte Mythen denken, doch ewige gibt es nicht; denn nur die menschliche Geschichte läßt das Reale in den Zustand der Rede übergehen, ...“

Roland Barthes, Mythen des Alltags
Die Originalausgabe erschien 1957 unter dem Titel Mythologie


„Die zeitgenössische Anthropologie antwortet auf die permanente Krise der Überlieferung in der ,bürgerlichen Gesellschaft‘ mit einer Tieferlegung der Fundamente für die Kulturtheorie. Expliziter als zu jeder früheren Zeit beginnt man zu begreifen, dass die von Psychologen und Juristen betonte ,Filiation‘ – die förmliche Übergabe eines Bestandes an Vermögens-, Kompetenz- und Statuswerten an... Nachfolger, ... in allen Kulturen eine Risikostelle bildet. An ihr entscheidet sich jedesmal von neuem, ob die Wiederverkörperung eines Ensembles von Kulturmustern in einer folgenden Generation erfolgreich verläuft oder mißlingt. Da Kulturen Schiffe im Zeitstrom sind, hängt am Verlauf der Filiationen ihr Fortbestand, ihr Umbau, ihr Verfall – ...“

Peter Sloterdijk, Die schrecklichen Kinder der Neuzeit, Suhrkamp Verlag 2014